Nächste Ausstellung

Stadtmuseum Klausen

vom 28.3. - 2.5.2020

 

 

verschoben auf Sommer 2020

 

 

Interview Lara Toffoli (Stadtmuseum Klausen) mit Sonya Hofer:

L.T.: Der Titel deiner Ausstellung im Stadtmuseum Klausen ist

"Das plastische Bild". Was ist das Neuartige an deinen

aktuellen Arbeiten?

 

S.H.: Das plastische Bild ist eine Wortschöpfung, die darauf

hinweist, dass den Eigenschaften eines Bildes, wie Farbe,

Komposition und Perspektive durch das plastische Material Ton

ein farbiges Relief entsteht.

Neu ist für mich auch die Auseinandersetzung mit der Bildgattung

Landschaft, speziell mit dem Thema Berg.

 

 

L.T.: Faszination Berg... 

Was war der Ausgangspunkt für deine neuesten Arbeiten?

 

S.H.: Wenn ich in der Natur bin, habe ich das Gespür für das

fragile System, in dem alle Lebewesen in ihrem Habitat

(in diesem Fall der Gebirgswelt) im Zusammenhang stehen,

miteinander kommunizieren, den klimatischen Bedingungen

unterworfen sind. Wie wir weitreichend wissen, ist dieses sensible

Gleichgewicht vom Menschen bedroht.  

Das Erscheinungsbild der Bergwelt für uns heute das Werk

katastrophaler Naturgewalten, deren Entstehung sich in

unendlichen Zeiträumen abspielte … Erosionen und  Felsbrüche,

sichtbare Zeichen für einen Prozess der sich fortsetzt …  

Aber ist die Erhabenheit, aber auch die Fragilität der Felsen und

der Natur nicht eine ideale Projektionsfläche für die Fragilität des

Menschen, übertragen wir nicht unsere Gefühlsstimmungen auf

eine vollständig autarke, kalte, schroffe, ja abweisende Materie?  

 

Und wenn ich in den Bergen bin spüre ich gleichzeitig das Meer, den Ursprung des Lebens. Die Oberflächen der Berge haben oft

die Form von Wellen oder sehen aus wie flüssiges Gestein. Die Massen scheinen wie in fließenden und wogenden Bewegungen

erstarrt zu sein. Wissend um die in  diesen Steinmassen enthaltenen Fossilien betrachte ich den Berg als lebenden

Organismus. 

 

 

L.T.: Deine bisher bevorzugten Materialien sind Öl oder Acryl auf Leinwand. Jetzt verwendest du seit einiger Zeit Ton. Warum?

 

S.H.: Ton ist Erde. Darum ist Ton für mich ein kongenialer Werkstoff für die Auseinandersetzung mit dem Thema Berg.

Es gibt verschiedenste Arten von Tonerde, die ich in Schichten übereinander lege. Vergleichbar den Schichten eines Berges. Dann bearbeite ich den Ton mit den Händen, knete und zerfurche ihn mit den Fingern und bearbeite die Oberfläche. Die Verbindung zwischen den Händen und dem Werkstoff ist für mich in diesem Fall sehr wichtig, bei keinem anderen Material kann ich Gefühle direkter ausdrücken und stärker transportieren. 

 

 

 

L.T.: In deinen Felsbildern und in den Muscheln sind Sprünge keine Seltenheit und oft wirkt die Arbeit sehr fragil und zerbrechlich...   

 

Durch das Trocknen und Brennen der Tonplatten entstehen Sprünge, die ich aber nicht planen kann. Sie sind ein gewolltes Gestaltungselement und gerade diese unvorhersehbaren Risse und Sprünge sind im Entstehungsprozess meiner Auseinandersetzung mit dem Thema Berg so wichtig.

So wie bei den in Millionen von Jahren dem Meer entstiegenen Dolomitenmassive durch Naturphänomene zerfurcht, zersägt und abgeschliffen wurden und Spaltenfrost die Sprengarbeit geleistet hat.

 

L.T.: Sonya, was ist für dich Kunst?

 

S.H.: Kunst findet nie im luftleeren Raum statt. Der Künstler versucht  Aspekte seiner Zeit zu hinterfragen und zu deuten um sie in seiner jeweiligen Sprache zu verarbeiten. Beuys sagte: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Das bedeutet vereinfacht, dass jeder von uns sein Leben und das der Gesellschaft gestaltet. Er nimmt damit jeden von uns in die Verantwortung.

 

 

L.T.: Für dich als Künstlerin, wie siehst du die Zukunft unserer Künstlerstadt?

 

S.H.: Ich sehe, dass sich in Klausen viele Menschen für unsere Stadt und unsere Gemeinschaft engagieren und dass Traditionen hoch gehalten werden. Klausen kann stolz auf seine geschichtliche Vergangenheit sein und ein  wichtiges Projekt, das in Planung ist und in den nächsten Jahren realisiert werden soll ist das Kinder-Tinne-Museum. Es ist ein „Leuchtturmprojekt“ Klausen in der Kunst- und Kulturlandschaft Südtirols zu etablieren. Darüber hinaus glaube ich, dass es ein Motor für die gesamte Wirtschaft Klausens sein kann.