Sonya Hofer

Auge

240 x 400 cm,

Acryl auf Leinwand

2013

"Erst das Auge erschafft das Bild"

Christian Morgenstern 

 

Schauen und sehen, Schein und Sein. Ein offenes Auge zu haben genügt wohl nicht, um das zu finden, was der Geist sucht. Die beschleunigte Bilderflut der heutigen Welt ist kaum entwirrbar. Wie aus der Pistole sinnlos geschossene Lichtstrahlen treffen auf die Netzhaut, unvermittelt von einem Augenblick zum anderen müssen Linse und Gehirn vermehrt Informationen schärfen und entziffern. Ungefiltertes wird nicht registriert. Je nach Einfühlungsvermögen nimmt der Mensch also die Wirklichkeit wahr, wie er sie empfindet und erfasst - er sieht, wenn dem so ist, nur das was er sich vorstellen kann. Diese Vorstellungskraft führt bei der Malerin zu einer pointilistischen Darstellung des menschlichen Sehorgans, nämlich zu einem chromatisch aufgelösten Bildgefüge, welches ihr ermöglicht, die persönliche Farbpalette "pixelartig" zu gestalten. Nur so glaubt sie, Vielheit und Einheit der Gestaltungsformen - je nachdem, ob man sich als Betrachter nähert oder entfernt - interpretieren  zu können.

Wir sehen das Auge - das Auge sieht uns, dazwischen irgendwo trifft unser Wesen vermutlich das Wesen der Welt.

Georg Demetz

Alla fine è l`occhio che crea il mondo

Christian Morgenstern

Guardare e vedere, apparenza ed essere. Avere un solo occhio aperto probabilmente non è sufficiente per trovare ciò che la mente cerca. La quantità enorme e accelerata di immagini che ci ragginge dal mondo odierno è quasi impossibile da decifrare. Raggi di luce colpiscono  la nostra retina come sparati  senza senso alcuno, da un momento all`altro cristallino e cervello devono farsi piú attenti e decifrare le informazioni.  Le cose non filtrate non vengono registrate. A seconda della capacità di immedesimazione l`uomo percepisce la realtà come la sente e la comprende personalmente - vede soltanto ciò che può immaginarsi.

Georg Demetz

Traduzione: Barbara Hofer